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Häufig gestellte Fragen

Was ist überhaupt trans*?

trans* ist ein Überbegriff für Transsexuelle, Transidente und Transgender Menschen, die sich nicht oder nicht ganz mit dem Geschlecht identifizieren, welches ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

Welche Sexualität haben trans* Menschen?

Die normalen Sexualitäten wie jeder andere Mensch auch – hetero, schwul, lesbisch, bi, asexuell, pan, etc.. Da es im deutschen „Transsexualität“ heißt, kommt es sehr oft zu Missverständnissen. trans* hat nichts mit der Sexualität zutun!

Ist trans* eine psychische Krankheit?

Nein! Fälschlicherweise wird trans* oftmals als psychische Krankheit aufgefasst. Dadurch kommt es zu einer Pathologisierung von trans*- Menschen, z. B. durch die geforderte psychiatrische Begutachtung bei der Änderung der Vornamens und des Geschlechts-Eintrages. Rechtliche Grundlage hierfür ist das Transsexuellen Gesetz - TSG.

Wie oute ich mich am besten?

Das Coming-Outing ist in den meisten Fällen, das erste was auf diesem Weg passiert. Es ist mehr als verständlich, dass man hierbei etwas Angst hat. Schließlich weiß man nicht, wie die Person gegenüber darauf reagieren wird. Sucht euch einen ruhigen Moment oder outet euch per Brief. Überlegt euch auch gut, wer überhaupt davon wissen muss, denn nicht jeder braucht dies wissen.

Muss ich eine Therapie machen?

Ja! In Deutschland ist eine Therapie bezüglich Transsexualität notwendig. Momentan, gelten sog. Behandlungsempfehlungen von 12x50Minuten oder 24x25 Minuten in 6 Monaten Therapie für Testosteron & Mastektomie. Für genitalangleichende Operationen gelten 12 Monate Therapie - hier können die OPs aber mit einer guten Begründung auch früher gemacht werden, gemäß den noch gültigen MDS Richtlinien von 2020.

Wie finde ich Therapeut*innen?

Hierbei kann das Internet sehr behilflich sein. Viele trans* Seiten, führen eine Therapeut*innennliste (z.B. wir). Ansonsten kann man einfach, wenn man denn welche kennt, andere trans* Personen in der Umgebung fragen, ob jemand Therapeut*innen kennt. Auch die Krankenkassen haben Therapeut*innenliste, die man einfach anfragen kann.

Was wird beim Erstgespräch besprochen?

Hier wird meist besprochen, warum man denn da ist. Sprich, man erzählt den Therapeut*innen, weshalb man die Therapie aufsucht. In unserem Fall, aufgrund unserer Transidentität, bzw. um herauszufinden, ob man trans* ist. Auch wird hier gefragt, was so in eurem Leben schon passiert ist, etc.

Was ist, wenn ich mit den Therapeut*innen nicht klarkomme?

Es gibt sog. „Probesitzungen“ a 5 Sitzungen.  Diese Sitzungen dienen zum Kennenlernen. So könnt ihr rausfinden, ob ihr mit eurem Gegenüber klarkommt oder eher nicht. Seid ihr schon etwas länger in der Therapie und merkt es passt einfach nicht mehr, dann solltet ihr darauf achten, dass ihr eine Bescheinigung erhaltet, in der die Therapiezeit angegeben ist und um was es ging. Dies ist wichtig, für die spätere Kostenübernahme der Operationen.

Wer bezahlt die Therapie?

Die Kosten der Therapie übernimmt im Regelfall die Krankenkasse. Daher ist es wichtig darauf zu achten, dass die Therapeut*innen eine Kassenzulassung besitzen.

Was ist ein trans* Lebenslauf?

Ein trans* Lebenslauf, ist ein einfacher Bericht über euer Leben als trans* Person. Sprich wie ihr euch früher verhalten habt, wann ihr gemerkt habt, dass etwas nicht stimmt, euer Outing, etc.

Wie kann ich meinen Namen und mein Geschlecht rechtlich ändern?

Dies muss man – gemäß dem TSG - bei einem Amtsgericht, welches Personenstandsverfahren durchführt, beantragen.

Wie läuft so eine Namensänderung ab?

Man findet heraus welches Amtsgericht für einen zuständig ist, man stellt den Antrag dorthin in dem man 2 Gutachter*innen vorschlagen kann (kein muss), die beiden Gutachter*innen stellen eine Begutachtung auf zu Fragen, die das Gericht vorgibt, je nach Amtsgericht findet vor oder nach den Gutachten eine Anhörung statt, man bekommt den rechtskräftigen Beschluss und kann seine persönlichen Daten nun ändern.

Muss man dieses gerichtliche Verfahren bezahlen?

Es kommt immer darauf an. Man kann sog. Prozesskostenhilfe beantragen, was auch zu empfehlen ist. Wenn man Glück hat, wird diese bewilligt. Ansonsten muss man meist in einen Vorschuss gehen oder das ganze per Raten abbezahlen. Hier ist zu beachten: Wenn man Prozesskostenhilfe bewilligt bekommt, ist man 4 Jahre lang dazu verpflichtet, dem Amtsgericht jegliche Veränderung über 100€ mitzuteilen - sowie das Gericht einen 4 Jahre lang überprüfen kann, ob man denn nun zahlungsfähig ist.

Wie lange dauert dieses Verfahren?

Man sollte mit ungefähr 6 Monaten rechnen.

Wann kann ich die Namensänderung beantragen?

Das Ganze kann man jederzeit beantragen. Man muss hierfür weder in Therapie noch auf Testosteron sein.

Wo darf ich vor der Namensänderung meinen neuen Namen schon verwenden?

Grundsätzlich über all. Bei offiziellen und amtlichen Dingen, solltet Ihr aber vorsichtig sein und lieber nochmal vor Ort nachfragen. Denkt bittet auch daran, dass sowas nur auf der Kulanz (Nettigkeit) der Gegenüber passiert. Wenn die nämlich sagen, sie möchten das vor der Namensänderung nicht, dann müsst ihr das so akzeptieren, denn es ist ihr gutes Recht damit zu warten, bis etwas rechtskräftiges vorliegt.

Wie bekomme ich Testosteron?

Testosteron bekommst du durch die Ärzt*innen, in dem Fall bei Endokrinolog*innen, Urolog*innen oder in Einzelfällen auch Gynäkolog*innen verschrieben. Hierfür wird aber ein sog. Indikation Schreiben der Therapeut*innen vorausgesetzt, welches der behandelnden Ärzt*innen vorgelegt werden muss.

Was sind Hormonblocker?

Vorne weg: Hormonblocker sind KEINE Pflicht! Hormonblocker sorgen dafür, dass das feminine Hormon „Östrogen“ unterdrückt wird und somit bspw. die Periode aussetzt. Aber wie schon erwähnt ist dies keine Pflicht, sehr viel trans* Personen kommen auch sehr gut ohne zurecht. Genaueres findet ihr in unserem Blogeintrag dazu.

Muss man zur Gynäkologie gehen?

Jaein. Nicht jede Person muss dort hin. Einige Endokrinolog*innen oder Krankenkassen, möchten eine Untersuchung haben, um z.B. Intersexualität auszuschließen und ob mit den Organen alles in Ordnung ist. Oftmals reicht hier schon eine Ultraschalluntersuchung aus. Solange man die femininen Geschlechtsorgane (Gebärmutter + Scheide) noch hat, sollte man regelmäßig zu einer Kontrolle gehen, um zu überprüfen ob sich keine Zysten oder ähnliches bilden.

In welchen Formen gibt es Testosteron für uns?

In Deutschland werden 2 Formen für die gegengeschlechtliche Hormonbehandlung verwendet – Gel und Depotspritzen, jeweils in verschiedenen Dosierungen.

Wie werden die beiden Präparate verabreicht?

Das Gel wird täglich auf bestimmte Körperstellen (meist Oberarme oder Bauch) aufgetragen.

Die Depotspritzen gibt es als „kleines“ und „großes“ Depot. Die kleinen Depotspritzen werden ca. alle 2-4 Wochen und die große Depotspritze (Nebido) ca. alle 6-14 Wochen intramuskulär gespritzt.

Welches der beiden Präparate wirkt besser?

Keines! Es gibt kein besser oder schlechter. Testosteron wirkt auf jeden von uns individuell. Dadurch kann es durchaus passieren, dass beim einen oder anderen die Präparate unterschiedlich ihre Wirkung zeigen.

Was bewirkt Testosteron?

Es bewirkt, die Zunahme der Körperbehaarung, die Fettumverteilung, das Wachstum der Klitoris, das Ausbleiben der Regelblutung, die Zunahme der Muskelmassen/-Struktur, das Ausfallen des Haupthaares, Talgbildung (Akne), die Steigerung der Libido, etc.

Ein tatsächliches Einsetzen dieser Veränderungen, ist nicht 100% garantiert!

Was bewirkt Testosteron nicht?

Es bewirkt nicht, das Ändern der Chromosomen von feminin zu maskulin, die Knochenstruktur verändern, die feminine Brust automatisch verkleinern, maskuline Geschlechtsteile bilden, das Bilden von Samen bzw., Sperma, die Veränderung des Charakters.

Sollte man den Testosteronwert regelmäßig kontrollieren?

JA! Es ist sehr wichtig, dass ihr regelmäßig zum Blutabnehmen geht. Die Kontrolle des Testosteronwertes ist wichtig, um eine eventuelle Über- oder Unterdosierung zu erkennen oder die Dosierung anzupassen.

Kann man das Präparat später wechseln?

Ja, das Wechseln des Präparates ist jeder Zeit nach Absprache mit den behandelnden Ärzt*innen möglich.

Welche Operationen gibt es auf dem Weg von Frau zu Mann?

Mastektomie (Entfernung der weiblichen Brust + Angleichung an eine männliche Brust),

Hysterektomie (mit/ohne Adnektomie oder Ovarektomie)(Entfernung der Gebärmutter inkl. Eierstöcke und/oder Eileiter),

Klitorispenoid (Metaidoioplastik),

Kolpektomie (Entfernung + (Teil-)Verschluss der Scheide),

Penoidaufbau (Rekonstruktion eines Penis aus körpereigenem Gewebe),

Hodensackformung (Skrotumplastik),

Eichelbildung (Glansplastik),

Einsetzen einer Erektionsprothese und/oder Hodenprothesen,

Spacer Einsatz (Präformierung der Harnröhre)

Muss man alle Operationen durchführen lassen?

Nein! Ob und welche Operationen man durchführen lässt, entscheidet jeder für sich selbst. Keiner schreibt irgendjemanden vor, was er zu machen hat und was nicht.

Welche Methoden gibt es bei der Mastektomie?

Sog. "kleine" Schnitte: 

Mamillenschnitt (ganz, halb oder 1/3 um die Brustwarze)

Transareolärer Schnitt 

Sog. "große" Schnitte:

Kombination aus Mamillenschnitt & Brustfaltenschnitt

Gibt es nach der Mastektomie eine Kompressionsweste? 

In den meisten Kliniken gibt es nach der Mastektomie eine sog. Kompressionsweste, welche für 6 Wochen getragen wird.

Alternativ gibt es in manchen Kliniken, auch einen Druckverband. Diesen trägt man für ca. 3 Wochen.

Welche Methoden gibt es beim Penoidaufbau?

Die Methoden beim Penoidaufbau in Deutschland sind, aus dem Unterarm mit und ohne Spacer, sowie aus dem Oberschenkel mit und ohne Spacer.

Was ist ein Spacer und wofür ist er da?

Der Spacer ist ein ca. 15 cm langes Röhrchen, ein Stück eines Beatmungsschlauches, welches unter die Haut gesetzt wird und die spätere Harnröhre bildet.

Was ist der Unterschied zwischen der Spacer Methode und der ohne?

Die Operation an sich, ist und bleibt die gleiche Operation!

Das Penoid wird bei beiden Methoden gleich gebildet. Lediglich wird, wie oben schon erwähnt, die Harnröhre bei der Spacer Methode schon vor dem Aufbau gebildet. Je nach Fall und Klinik, wird diese dann auch direkt mit angeschlossen. Dies ist aber nicht immer so. Ohne den Spacer, wird die Harnröhre eben erst in der Penoidaufbau OP gebildet und muss entsprechend erst einmal abheilen. Hier bieten aber einige Klinik auch den direkten Anschluss der Harnröhre an.

Kann man mit dem Klitorispenoid (Klitpen) im Stehen urinieren?

Jaein. Es gibt keine 100% Garantie dafür. Das Urinieren im Stehen erfordert einige Übung und ist in ca. 99% der Fälle, lediglich mit heruntergelassener Hose ohne Probleme möglich.

Kann man mit dem Penoid Geschlechtsverkehr haben?

Ja! Viele trans* Personen lassen sich eine sog. Erektionsprothese einsetzen, aber auch ohne diese Prothese ist Geschlechtsverkehr mit dem Penoid möglich.

Ab wann kann man Vorgespräche für die Operationen machen?

Vorgespräche können jederzeit durchgeführt werden.

Wie finde ich heraus, welche Klinik die Beste ist?

Dafür sind die Vorgespräche da. In diesen Gesprächen werden euch die Ärzte über die anstehenden Operationen aufklären, erklären was gemacht wird, Risiken und Komplikationen aufzählen und euch Bilder von Ergebnissen zeigen. Ihr müsst euch nach dem Gespräch oder schon während des Gesprächs gut aufgehoben fühlen, die Ergebnisse der Klinik müssen euch ansprechen, sowie die angewendete Technik oder Methode.

Wer übernimmt die Kosten der Operationen?

Die Kosten für die Operationen übernehmen die Krankenkassen, nachdem man diese dort beantragt hat.

Wie lange hat die Krankenkasse Zeit zu antworten?

Gemäß §13 Abs. 3a SGB V, hat die Krankenkasse eine Frist von 3 Wochen nachdem der Antrag auf Kostenübernahme dort eingegangen ist. Wird der Medizinische Dienst (MDK) eingeschaltet, muss die Krankenkasse euch darüber schriftlich informieren und die Frist verlängert sich auf insgesamt 5 Wochen. Bitte berechnet bei den Antworten immer einige Tage Postweg. Wie ihr genau die OPs beantragen könnt, erklären wir euch extra auf der Seite "Kostenübernahme".

Muss ich unbedingt in eine Klinik, die weiter weg liegt?

Nein. Jedoch sollte man gerade was die OPs angeht, auch weitere Wege in Kauf nehmen und nicht aus Bequemlichkeit in die nächste Klinik rennen.

Wie lange liegt man bei den Operationen ungefähr im Krankenhaus?

Je nach Klinik:

Mastektomie: 0-7 Tage,

Hysterektomie: 3-7 Tage,

Klitorispenoid/Kolpektomie: 7-14 Tage,

Penoidaufbau: 7-21 Tage,

Restliche OPs: ca. 7 Tage

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